Galerie 54 - Peter Weymann

Eröffnungsrede durch den Kurator Frank W. Weber aus Anlass der Ausstellung „Durchdachte Spontanität“ am 22. September 2011 in der Stadtgalerie Kunst-Geschoss Werder (Havel)

Sehr verehrte Damen und Herren,
sehr verehrter Dr. Detlef Denzer,
sehr verehrter Peter Joseph Weymann,

ich freue mich, Ihnen Dr. Detlef Denzer aus Schönwalde und Peter Joseph Weymann aus Werder vorzustellen. „Durchdachte Spontanität“ - ein Ausstellungstitel mit Paradoxon? Ganz so ist es nicht. Das Spontane in der künstlerischen Handlung ist beiden Künstlern zu Eigen, dem einen mehr, dem anderen weniger.

Die Spontanität eines Peter Jospeh Weymann zeigte sich vor drei Jahren noch im mehr spontanen als durchdachten explosivem Farbauftrag. Die Bilder kamen, einer unerschöpflichen Quelle gleich, in abstrakter Manier aus Peter Joseph Weymann heraus geplatzt. Es war das Jahr 2008, als sich seine Lebensjahre mit dem Geburtsjahr deckten, Weymann ist 54er Jahrgang, und ab welchem er sich vornahm, die Welt nun intensiver mit seinen bildkünstlerischen Werken zu „beglücken“. Anfangs, einer Rebellion gleich, wich er allen kunsthistorischen Fallgruben aus und zelebrierte seine abstrakte Farbexplosion recht eigenwillig. Ob es Angst war? Vor der Figur, der Räumlichkeit, den Gesetzmäßigkeiten der Bildgestaltung, all das Unbekannte was es für ihn war. Diese Frage stelle ich einfach in den Raum. Um noch einen drauf zusetzen kamen noch originellere Bildtitel zum Werk dazu. „Spontanorgasmus eines in die Fluten geratenen Frosches“? Gemeint ist der Bildtitel jenes etwas kleineren Bildes links hinten im Ausstellungsraum.

Nun kann sich der „Sponti“ Weymann wehren wie er will, er hat bewusst oder unbewusst einen Weg der ernsthafteren Malerei gefunden. Es ist legitim, sich bei ausdauernder künstlerischer Arbeit und bewusster Hinterfragung des eigenen Tuns, zu entwickeln. Alle ernsthaften Künstler durchleben oder durchlebten ihre Phasen und Epochen. Der Farbauftrag von P.J. Weymann wird kontrollierter, die Inhalte durchdachter. Seine neueren Werke „Schlaf“ und „Plattencover...“, auf dunklem Grund oder „Fuchs du hast die Gans gestohlen“ zeigen es.

Und – Peter Joseph Weymann entdeckte für sich einen neuen Weg zu gegenständlicher Malerei. Indem er dreidimensionale Objekte nach seiner Manier des Farbauftrages bearbeitet, schafft er recht interessante Arbeiten, die über das spontan „Gaghafte“ hinausgehen – eben durchdacht. Das Würfelobjekt mit 9x9 Würfeln oder das Bild „Farbfinsternis“ zeigen es. So wird aus dem abstrakten Maler Weymann doch noch ein gegenständlicher Maler. Ich möchte nichts vorwegnehmen, ich sehe den Künstler auf einem Weg, seinem ganz persönlichen Weg und den soll er mit „hin und her und trallala“ (viel benutzte Wortfloskel von PJW) ganz beruhigt gehen.

Bei Detlef Denzer, den akademischen Grad lasse ich nun weg, er kommt wie bereits bekannt ist aus der Biologie, aus den Naturwissenschaften ist es konträr zu Peter Joseph Weymann. Ich fange mit dem Durchdachten an. Detlef Denzer zelebriert seine Kunst, die sich hier in unserer Ausstellung fast ausschließlich auf Objektkunst, Skulptur und Plastik bezieht. Er zelebriert seine Werk-Erstellung wissenschaftlich, seiner Leidenschaft zur Naturwissenschaft folgend. Eben durchdacht.

Alle Bestandteile seiner Kunstwerke sind sauber gegliedert, geordnet und montiert und ganz bewußt bis in den letzten Winkel mit künstlerischen Informationen in Form von Tuschzeichnungen versehen. Jederzeit ist es dem Betrachter möglich, seine Werke visuell zu zerlegen, ich benutze den biologischen Fachbegriff „Sezieren“. Das schafft neben dem visuellen Erlebnis auch Entdeckerfreuden mit „Aha-Effekt“. Ganz bereitwillig lässt das der Künstler aber nicht zu, in seinen additiven Feder-Zeichnungen auf Skulptur und Objekt lässt er den Betrachter ganz bewusst nach Erklärungen suchen, deren „Schlüssel“ er als Künstler in der Hand behält.

Stellen Sie sich eine alte Orgel vor, mit ihren Manualen, Pedalen, Tasten und Innereien, es macht dem Künstler Spaß, diese akribisch auseinanderzunehmen, die Formen zu deuten, neue Zusammenhänge herzustellen und diese in neuer Gestalt, hier als „Orgel-Fisch“ auferstehen zu lassen. Und sie als Betrachter erkennen bei einigen Bestandteilen sofort, bei näherer Befassung mit dem Objekt später, die Herkunft. Es ist faszinierend zu sehen, wie der Naturwissenschaftler neues künstlerisches Leben in solider handwerklicher Kunstform erschafft.

Detlef Denzer gibt ganz bewusst Hilfestellung für den Rezipienten, indem er bereitwillig erläutert, wie und was genau die Herkunft aller Bestandteile ist. Ich formuliere bewusst die Frage: „Ist das immer notwendig?“ Ein verrosteter Eisenbahnbolzen als Phallus ist ein Phallus in seinem Objekt, im Grunde könnte dem fabulierenden Betrachter die wahre Herkunft vorenthalten bleiben. Hier überfällt der durchdachte Wissenschaftler Dr. Denzer den spontanen Künstler Detlef Denzer. Dr. Jekyll und Mister Hyde in persona Denzer! Es wäre recht interessant, die inneren Kämpfe, die Auseinandersetzungen beider Persönlichkeiten in Detlef Denzer, einmal im Prozess des Schaffens erleben zu können.

Jedenfalls zeigen wir hier in dieser Ausstellung zwei Künstler, die sich mit ihren Kunstwerken wunderbar ergänzen und ich lasse Sie, liebe Besucher, diese Ausstellung nach allen Eröffnungsreden spontan durchdenken und erforschen. Herzlichen Dank!